Whiskey

Nichts hat die Geschichte der Whiskey-Herstellung mehr beeinflusst als die simple Feststellung, dass jeder Whiskey anders schmeckt. Man kann sogar von Fass zu Fass oder Jahrgang zu Jahrgang derselben Whiskeysorte Unterschiede im Aroma feststellen. Diese banal klingende Feststellung führte zu den verschnittenen Whiskeysorten mit standardisiertem Aroma. Die "Blended Whiskeys" waren es, die den aromatischen Whiskey auch preislich für jeden interessant machten. Durch sie wurde Whiskey außerdem zu einem beliebten Mix- und Cocktailgetränk. Die Schreibweise "Whiskey" weist im Allgemeinen auf irische oder amerikanische Whiskey-Marken hin. Die Schotten hingegen schreiben es als "Whisky". Hier verwenden wir aus Gründen der Lesbarkeit für alle Whiskysorten die Schreibweise als "Whiskey".

Ein Eintauchen in die Geschichte des Whiskeys

Erste Erwähnungen dieses charaktervollen alkoholischen Getränks finden sich 1736. Übersetzen könnte man seinen schottischen oder irischen Ursprungsbegriff mit "Wasser des Lebens". Anfangs benannte man allerdings alle Branntweine mit Gewürz-Zusatz mit diesem Begriff. Die Geschichtsforschung über die Whiskey-Brennerei hat bis heute nicht genau ermitteln können, wo denn der Whiskey eigentlich erfunden wurde: in Schottland oder in Irland. Beide Länder nehmen es gleichermaßen für sich in Anspruch. Man geht bislang davon aus, dass die Kelten das goldfarbene alkoholische Getränk erfunden haben. Fakt ist, dass es in Schottland mit der Zeit zahlreiche Privat-Destillerien gab, weil jeder Clan seinen eigenen Whiskey brannte. Damals handelte man noch nicht mit Spirituosen. Die erste offizielle Lizenz zum Whiskey-Brennen wurde in Irland anno 1608 von König James I. vergeben. Irland und Schottland begannen 1643 und 1644, auf Whiskey Steuern zu erheben. Sie witterten angesichts des zunehmenden Whiskey-Konsums lukrative Staats-Einnahmen. Das missfiel allerdings den Iren und Schotten. Sie brannten ihr Nationalgetränk fortan, ohne Steuern zu bezahlen. Unweigerlich folgte dieser unliebsamen Praxis ein Verbot. Ohne staatliche Lizenz durfte man Whiskey danach nicht mehr brennen. Die findigen Iren und Schotten schmuggelten fortan den schwarzgebrannten Whiskey zu den Konsumenten. Sie weigerten sich 200 Jahre lang stur, der staatlichen Besteuerung ihres Nationalgetränks zuzustimmen. Die Fehde zwischen den Sturköpfen und den Steuereintreibern kostete manches Leben.

Zu den frühesten Brennereien mit Lizenz, die man heute noch kennt, gehören die "Old Kilbeggan Distillery" in Irland und "Glenturret" in Schottland. Viele Iren und Schotten wanderten später nach Amerika aus und brachten das Rezept für guten Whiskey mit. Hier konnte er allerdings nicht aus Gerste gebrannt werden, weil diese auf den dortigen Böden nicht gut gedieh. Man wich deshalb auf Roggen und Weizen aus. Um die Besteuerung der Destillerie-Produkte kam man auch hier nicht herum. Auch hier gab es blutige Auseinandersetzungen um die Besteuerung des Endprodukts. Die bis dato ansässigen US-Brennereien zogen sich am Ende aus den ursprünglich besiedelten Regionen zurück. Sie konzentrierten sich fortan auf die Whiskeybrennerei in den US-Staaten Kentucky und Tennessee. Das sollte das Image des amerikanischen Whiskeys entscheiden prägen. Bis heute werden hier die besten US-Whiskeys produziert.

Von der Privat-Brennerei zur Industrievermarktung

Die Entwicklung des ersten verschnittenen Whiskeys - des sogenannten "Blended Whiskeys" - geschah 1856. Die erste verschnittene Whiskey-Marke hieß „Usher's Green Stripe“. Sie kann heute noch gekauft werden. Das Verschneiden nahm den bis zu 50 miteinander verschnittenen Whiskeysorten den eigenen Charakter. Er wurde zugunsten eines massenkompatiblem Geschmackserlebnisses verändert. Prompt stieg der Absatz des Whiskeys an. Die Prohibition in den Zwanzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts sorgte dafür, dass viele der kleinen Whiskey-Brennereien das Handtuch werfen mussten. Nur den torfigen "Laphroaig" konnte man damals noch als Medizin in amerikanischen Drugstores kaufen. Nach Ende der Prohibition übernahm die Industrie die legal erlaubte Whiskeybrennerei. Viele der überlebenden Whiskey-Brennereien wurden von großen Konzernen übernommen. Die verschnittene Whiskeysorten versprachen den Konzernen hohe Umsatzzahlen. Die zunehmende Zahl an "Blended Whiskeys" nahm den authentischen Whiskeysorten der verschiedenen Brennereien ihren eigenständigen Charakter. Geschmackliche Unterschiede wurden jetzt nur noch durch unterschiedliche Rohstoffe, eigene Herstellungsprozesse und die Dauer der Fassreifung erzielt. Zu den unabdingbaren Zutaten für einen guten Whiskey gehören auch für "Blended Whiskeys"

  • reines Quellwasser
  • Getreide oder ein anderer stärkehaltiger Rohstoff (z. B. Mais)
  • und Reinzuchthefe.

Das Getreide kann gemälzt werden oder wird ungemälzt verwendet. Im Falle einer Mälzung darf man sein Produkt nur unter bestimmten Bedingungen als "Malt Whiskey" benennen. Die industrielle Vermarktung und der Zuwachs der "Blended Whiskeys" hatte Konsequenzen für alle Whiskey-Hersteller. Die authentischen Whiskeysorten wurden zunehmend verdrängt. Erst in neuerer Zeit kommt ein verstärkter Trend zurück zu den authentischen Malt Whiskeys zum Tragen. Außerdem kann man eine zunehmende Akzeptanz für ausländische Whiskeymarken feststellen, die nicht aus den klassischen Herstellerländern stammen. Auch als Cocktailgetränk erfreut sich der Whiskey - mehr noch aber der geschmacksneutrale Wodka - zunehmender Beliebtheit. Als "Whiskey Sour", "Lynchburg Lemonade", "Irish Coffee" oder "Bourbon & Peach"-Cocktail wird er in Szenebars, Hotels oder Restaurants kredenzt. Ein Klassiker ist auch das Aufgießen mit Cola oder Ginger Beer. Der Kenner trinkt einen charaktervollen Whiskey jedoch pur und ohne Eis.

Die Herstellung von Whiskey

Jede Brennerei hat ihren eigenen Herstellungsprozess entwickelt, um Whiskeysorten von eigenständigem Charakter zu erzeugen. Die Lage einer Brennerei wurde fast immer in Abhängigkeit von einer guten Wasserquelle gewählt. Auf jeden Fall muss das verwendete Getreide vor dem Brennen durch Mälzen oder Kochen vorbereitet werden. Zum Teil wird der Prozess des Mälzens durch Torffeuer beeinflusst. Dann wird das Getreide geschrotet. Es ergibt mit Quellwasser eine Maische. Diese muss im Maisch-Bottich gären. Dieser Prozess soll vergärbare Zuckerarten aus der Maische entfernen. Anschließend trennt man die Flüssigkeit von den Feststoffen. Die Flüssigkeit wird nun mit Gärhefe versetzt und in den Gärtank gegeben. Dort verwandelt sich Zucker zu Alkohol. Anschließend wird die Maische mindestens zweimal, manchmal auch dreimal destilliert. Die jahrelange Lagerung des Whiskeys in aussortierten Eichen-, Portwein- oder Sherryfässern beeinflusst dessen Farbe und Aroma entscheidend. Man macht die Fasslagerung für mindestens 60, wenn nicht 80 Prozent des Geschmackserlebnisses verantwortlich. Ebenso bedeutende Einflussfaktoren sind aber die Holzart der Whiskey-Fässer, die Lage und Bauart des Lagerkellers und das dort herrschende Mikroklima. Außerdem schmeckt ein zehnjähriger Whiskey anders als ein zwanzig Jahre gereifter aus derselben Charge. Mit dem Alter verteuert sich auch der Preis. Um süßliche Speyside-Whiskeys herzustellen, verwendet man ausrangierte spanische Sherry-Fässer. Für rauchige Whiskeynoten benötigt man Eichenfässer, in denen zuvor Bourbon gelagert wurde. Als problematisch erweist sich in neuerer Zeit, ausreichend Nachschub an bereits gebrauchten Fässern zu erhalten. Sherry oder Portwein werden angesichts des Aufkommens von Cocktails und anderen Lifestyle-Getränken nicht mehr so oft getrunken wie früher. Die Fässer, die eine Brennerei besitzt, müssen folglich immer wieder repariert und gut gepflegt werden. Je nach Art des Whiskeys lagert man die kostbare Flüssigkeit zehn bis fünfzehn Jahre - zum Beispiel bei den schottischen Malt Whiskeys. Andere Whiskeysorten reifen deutlich länger, Blended Whiskeys hingegen wesentlich kürzer. Um den Whiskey-Extrakt trinkbar zu machen, muss ihm vor der Abfüllung Wasser zugesetzt werden. Erst dann wird er auf Flaschen gezogen. Bei einem unverdünnten Whiskey-Destillat spricht man von "Cask Strength". Sein Aroma ist wesentlich intensiver. Der Alkoholgehalt liegt meist oberhalb der üblichen 40-46 Volumenprozent. Bei uns bestimmt übrigens die EU anhand von Mindestforderungen, was als Whiskey verkauft werden darf und was nicht.

Unterscheidungskriterien für verschiedene Whiskey-Arten

Die Bezeichnung von verschiedenen Whiskey-Arten beziehen sich auf das verwendete Getreide. "Blended Whiskeys" aus nur einer Getreidesorte nennt man auch "Grain"-Whiskeys. Diese Destillate werden in Europa aus ungemälzter Gerste, Weizen oder Hafer hergestellt, in den USA und Kanada auch aus Roggen oder Mais. "Blended Whiskeys" vermischen bis zu 50 verschiedene Whiskey-Destillate aus diversen Brennereien zu einem standardisierten, immer gleichen Geschmack. Unverschnittene Whiskeys überzeugen hingegen bei jeder Abfüllung durch andere Nuancen. Üblich sind folgende Unterscheidungen:

  • Rye-Whiskey besteht zu mindestens 51 Prozent aus Roggen
  • Bourbon-Whiskey besteht zu mindestens 51 Prozent aus Mais
  • Corn-Whiskey besteht zu mindestens 80 Prozent aus Mais
  • Malt-Whiskey wird ausschließlich aus gemälzter Gerste destilliert.

Die Beliebtheit von unverfälschten "Cask Strength"-Whiskeys ohne weiteren Wasserzusatz nimmt in jüngerer Zeit zu. Als "Vintage"-Whiskey bezeichnet man den Whiskey eines bestimmten Jahres, der auch als "Jahrgangswhiskey" korrekt bezeichnet wäre. Whiskey-Destillate, die gerade mal die Mindestanforderungen erfüllen, um sich so nennen zu dürfen, bezeichnet man auch als "New Spirit". Die Schotten nennen den Whiskey eines Fasses "Single Cask". Sie nummerieren die Flaschen entsprechend der Fassnummer. Die Amerikaner sprechen diesbezüglich von einem "Single Barrel". Jedes Fass kann eine andere Whiskey-Qualität ergeben. Diese definiert am Ende auch den Preis. Besonders gute Jahrgänge sind gesucht. Für "Blended Malt Whisky" sind auch die Bezeichnungen "Pure Malt" oder "Vatted Whisky" gebräuchlich. Auch verschnittene Malzwhiskeys werden aus Produkten verschiedener Destillerien hergestellt. Der Bezeichnung "Malt Whiskey" nach dürfen diese aber nur aus Gerste hergestellt sein. Liest man irgendwo Begriffe wie "Sherry Wood Finish“, "Port Wood Finish" oder „Madeira Wood Finish“, bezieht sich das auf die Fassqualität. Außerdem kann man Whiskey nach dem Herkunftsland in Scotch Whisky, Irish Whiskey und American Whiskey unterscheiden. Auch deutsche, finnische oder japanische Whiskeysorten sind heute weltweit bekannt. In einem gut sortierten Online-Whiskey-Versand finden sich an die 1000 verschiedene Whiskeysorten aus erstaunlich vielen Herstellerländern. Dazu addieren sich noch Whiskey-Liköre und mit Whiskey zubereitete Spezialitäten wie Pralinen und Marmeladen.

Die Folgen der Industrialisierung

Große Getränkekonzerne bestimmen heute über die Welt des Whiskeys. Wir haben es dabei einerseits mit Unternehmerfamilien zu tun, andererseits mit gemischten Großkonzernen und Aktiengesellschaften. Bei diesen sind vorrangig geschäftliche Interessen wichtig. Den großen Umsatz erbringen die billigen Spirituosen, die sich jeder leisten kann. Problematisch für die Bilanzen ist die aktuelle Sättigung des Spirituosenmarktes. Sparten, die nicht mehr genug Umsatz erbringen, werden umstrukturiert oder gänzlich ausgegliedert. Das betrifft hin und wieder auch Whiskey-Brennereien. In Schottland haben die bekannten Brennereien bereits eine wahre Übernahmeschlacht hinter sich gebracht. Kleinere Brennereien mit weniger bekannten Whiskeymarken sind für solche Großkonzerne kaum interessant. Sie werden meist von mittelgroßen Konzernen aufgekauft. Was übrig bleibt, sind erfolgreiche Brennereien wie "Bruichladdich", "Glengoyne" oder "Edradour", die als unabhängige Brennereien überleben. Zerschlagen sich solche Konzerne, bedeutet das oft auch das "Aus" für die betroffenen Brennereien. Finden diese nämlich keinen neuen Interessenten, bleiben sie auf vollen Lagerhäusern sitzen. Der Konkurs ist unausweichlich. Momentan scheint der Konzentrationsprozess vieler Mischkonzerne zu reinen Spirituosenkonzernen wohl abgeschlossen zu sein. Der Spirutuosenmarkt wird zukünftig von wenigen Großkonzernen dominiert - und diese verleiben sich in der Regel nach und nach alle anderen Konkurrenten ein. Während absatzstarke Whiskeymarken wie "Jack Daniel's" und "Johnnie Walker Red" um den ersten Platz in der Publikumsgunst buhlen, ringen andere um das Überleben. Die wachsende Beliebtheit der Malt Whiskeys ist längst als lukrative Einnahmequelle erkannt worden. Mit Whiskey-Serien wie "The Classic Malts of Scotland" oder einer "Rare Malts Selection" sucht man seine Kunden. Die Topmarken aus der Malt Whiskey-Kollektion werden seit Jahren um weitere Premium-Marken ausgebaut. Jahrgangsspecials und Whiskey-Raritäten wie "Balvenie 1966" oder ein 36jähriger "Dalwhinnie", die viel Geld einbringen, werden bevorzugt auflegt. Solche wirtschaftlichen Entscheidungen verändern das Spektrum der Brennereien beständig. Trotzdem wagen einige neue Brennereien den Kampf gegen die Giganten. Andere bauen ihren Kleinbetrieb aus. Manche spezialisieren sich, statt den Diversifikationstrend mitzugehen. Die "Speyside Destillers" oder die Hersteller von Whiskeymarken wie "Edradour" und "Bruichladdich" machen vor, wie es geht. Am unteren Ende der Hierarchie aus

  • globalen Konzernen wie "Diageo", "Fortune Brands" oder "Allied Domecq"
  • lokalen Produktions-Tochtergesellschaftenu
  • Und regionalen Vertriebs-Tochtergesellschaften

zu stehen, ist ein Wagnis. Denn die Handelsketten und Duty Free-Shops kaufen bevorzugt das, was im Katalog eines Getränkehandels steht, an den man vertraglich gebunden ist.

Whiskey: Über Sammelobjekte und billige Markenfälschungen

Viele Menschen sammeln kleine Miniatur-Whiskyflaschen. Im Laufe der Zeit verlieren diese Sammelobjekte allerdings durch Verdunstungsverluste an Substanz. Den Inhalt zu trinken und die leeren Fläschchen zu sammeln, wäre klüger. Andere Menschen sammeln kostbare Whisky-Raritäten. Alte Whiskey-Jahrgänge werden häufig auch als teures Geschenk bei einem Jubiläum verschenkt. Für einen seltenen Whisky wurden auf einer Versteigerung bereits 62.000 Euro geboten. Ob die Flasche das tatsächlich wert war, ist allerdings eine andere Frage. Der Auktionator bekommt vom erzielten Preis 15 Prozent. Der Rest geht an den, der den Whisky zum Verkauf angeboten hat. Versteigerungen sind eine interessante Möglichkeit, um schnell zu einem guten Gewinn zu kommen. Das bringt allerdings auch die Fälscher auf den Plan. Whisky-Fakes sind nicht so unüblich, wie man meint. Nicht nur die Brennerei Macallan wurde von gefälschtem Whisky kalt erwischt. Macallan kaufte seinerzeit über Mittelsmänner in Italien eine "Antique Collection" mit mehreren Flaschen alten Whiskeys an. Man klebte sein eigenes Label auf die Flaschen und wollte diese teuer verkaufen. Damit ging man baden, denn die angekauften Flaschen erwiesen sich als Fakes. Niemand prüft bei teuren Sammelflaschen, was drin ist. Man trinkt den enthaltenen Whisky solcher Kostbarkeiten meist nicht. Stattdessen lagert man ihn und verkauft ihn nach ein paar Jahren mit beträchtlichem Gewinn weiter.

Nichts ist leichter, als eine alte Flasche, die man selbst geleert hat, wieder zu füllen. Mancher versucht dann, diese auf Ebay oder anderswo teuer zu versteigern. Wo immer man lukrative Gewinne wittert, wird es Fälscher geben - auch im Whiskeysektor. Neue Flaschenkapseln anzubringen, um die alten Flaschen als neue auszugeben, ist leicht machbar. Macallen sichert seine Originale mittlerweile durch Hologramme und Seriennummern auf den Kapseln. Wer eine Whiskey-Sammlung oder eine angeblich uralte Flasche von Privatleuten oder einem ausländischen Händler ankauft, sollte also gewarnt sein. Selbst renommierte Auktionshäuser übernehmen keine Garantie dafür, dass es sich tatsächlich um eine Whiskey-Rarität handelt.

Was ist denn nun eigentlich dran am Whiskey?

Im Gegensatz zum Wodka, der seinen geschmacklichen Reiz für viele Genießer erst durch eine Aromatisierung oder einen Cocktail-Mix erhält, schmeckt Whiskey in seiner reinsten Form aromatisch. Das gilt selbst für den "Blended Whiskey". Keine verschnittene Whiskey-Sorte schmeckt genau wie eine andere. Was ihnen gemeinsam ist, ist ein geschmacklich abgemildertes Aroma, das nirgendwo aneckt. Damit sind die "Blended Whiskeys" die idealen Whiskeys für Einsteiger oder Menschen, die den Alkohol nicht gerne pur trinken. Als Longdrink-Zutat wäre ein edler Malt Whiskey viel zu teuer. Hingegen haben die schottischen und irischen Malt Whiskeys oder die amerikanischen Bourbon-Sorten einen ausgeprägten Eigengeschmack. Wie beim Wein auch, findet man beim sogenannten "Nosing" blumige, nussige, honigartige, zitronige, beerige oder fruchtige Noten. Man schmeckt Gewürze wie Zimt oder Vanille im Abgang. Zu den wohl ungewöhnlichsten Geschmackserfahrungen im Whiskey-Sektor dürfte der extrem torfige Single Malt Scotch "Laphroaig" gehören. Er stammt von der Hebriden-Insel Islay. Die Brennerei und die Marke gehören nach mehreren Besitzerwechseln heute zum japanischen "Beam-Suntory"-Konzern. Die Laphroaig-Brennerei war ursprünglich eine reine Farmbrennerei, die Whiskey nur zum Eigenbedarf herstellte. In der Familie der Brennereigründer hatte man zuvor bereits zwei illegale Whiskey-Brennereien betrieben. Der typische rauchig-torfige Geschmack dieser Whiskey-Spezialität geht auf die salzige Seeluft, das moorige Wasser der Region und den Torf zurück, mit dem man den Herstellungsprozess begleitet. Wer den Laphroaig einmal probiert hat, vergisst ihn garantiert nie wieder. Die Gaumen der meisten Whiskey-Genießer sind allerdings auf weniger eigenartige Geschmäcker ausgelegt. An dieser Marke kann man aber lernen, dass ein Whiskey deutliche Geschmacksunterschiede bietet - je nachdem, wie alt er ist. Den zehnjährigen Laphroaig-Whiskey empfinden viele noch als "medizinisch", muffig und jodhaltig. Mit etwas Wasser wird er sogar noch torfiger. Den selten gewordenen fünfzehnjährigen Laphroaig trinkt der britische Thronfolger Prince Charles am Liebsten. Er ist rauchiger und torfiger. Statt dem beliebten fünfzehnjährigen Laphroaig trinkt man als ausgemachter Laphroaig-Fan heute den achtzehnjährigen Islay-Laphroaig. Als unverdünnten "Quarter Cask" getrunken, meint man, förmlich im Torfmoor zu versinken. Der Whiskey-Sammler Marcel van Gils - beruflich Inhaber einer Dental-Praxis - sammelt inzwischen nur noch Laphroaig-Whiskey.

Verkaufsschlager und Randfiguren im Whiskey-Bereich

Die "Top Ten" der meistverkauften Whiskymarken liest sich wie ein "Who is Who" der besten "Blended Whiskeys". Die unbestrittene Nummer Eins ist "Johnny Walker" mit seinen fünf verschiedenfarbigen Labels. Fast gleichauf liegt der bei uns weniger bekannte Whiskey "Label 5". Die folgenden Plätze im Whiskey-Ranking bestreiten bekannte und bei uns weniger bekannte Marken, als da wären

  • alle Jahrgänge von "Dewars"
  • "The Famous Grouse"
  • "Grants"
  • "J & B"
  • "Chivas Regal"
  • "Ballantines"
  • oder "Bells".

Wer seit Längerem den Marktwert der angesagten Marken verfolgt, kann bereits einige Verschiebungen in der Beliebtheitsskala feststellen. So war beispielsweise "Ballantines" einmal eine sehr beliebte Whiskeymarke bei uns. Hierzulande bekannte Kult-Marken wie "Jim Beam" oder "Jack Daniels" oder der in Deutschland häufig getrunkene "Glenfiddich" sind in den "Top Ten" der meistverkauften Whiskeysorten" gar nicht vertreten. Gewertet wurden 2013 nur die weltweiten Verkaufszahlen, nicht der Kultwert in einer bestimmten Szene. Unterschiede in den Vorlieben von bestimmten Whiskey-Marken gibt es nicht nur regional zu vermelden. Frauen trinken im Allgemeinen lieber Mixgetränke, Longdrinks oder Cocktails mit Whiskey. Viele Männer bevorzugen Whiskey "on the rocks", pur oder mit einem Spritzer Soda. Auch die Mischung mit etwas Ginger Ale ist bekannt. Die einen verstehen sich als Scotch-Fan, die anderen sind dem Bourbon näher. Wieder andere lieben die etwas lieblicheren Whiskey-Liköre wie

  • den schottischen "Bruadar"
  • den norwegischen "Fireball Cinnamon"
  • den schottischen "Drambuie"
  • den irischen "Cole Swan"
  • oder den mit Ingwer abgeschmeckten "Ginger Tams" aus Schottland.

Whiskey-Liköre können mit Honig gesüßt, mit Sahne oder mit Kräutern versetzt werden. Manche Whiskey-Liköre haben ein schokoladiges Aroma. Andere werden mit Ingwer, Schlehen und Honig abgeschmeckt. Im "Cole Swan" vermischen sich irischer Whiskey, belgische weiße Schokolade, irische Sahne sowie Kakao und Vanille zu einer leckeren Whiskey-Kreation. Sahneliköre wie der "Edradour" sind bei den Damen besonders beliebt. Whiskey-Puristen meiden solche Varianten schon wegen des Zuckergehalts und der Verfälschung der zugefügten Whiskeysorten. Sämtliche Varianten mit Sahnezusatz verbieten sich für laktoseintolerante Menschen.

Zu Gast bei einer Whiskyverkostung

In vielen Städten bieten Whiskey-Versender oder Spirituosengeschäfte Verkostungen und Seminare zum Thema an. Beliebt sind außerdem Themenreisen mit der Besichtigung von Brennereien der bereisten Region. Früher oder später begegnet man dort dem sogenannten "Nosing-Glas". Aus diesem entnimmt man über die Nase die Aromen eines Whiskeys. Nosing-Gläser werden vor allem bei der Verkostung von Single-Malt-Whiskeys benutzt. Man kann aus ihnen auch Spirituosen trinken. Vor allem Cognac, Rum, Tequila oder Calvados trinkt man aus dieser tulpenartigen oder bauchigen Glasform. Man füllt eine kleine Menge des zu verkostenden Whiskeys in das Nosing-Glas. Dort entfaltet sich das Aroma im Bauch des Glases. Es konzentriert sich in seinem schlanken Hals, damit es vor dem Schnuppern nicht verloren geht. Leichtes Schwenken der Flüssigkeit ist erlaubt. Man sagt aber, dass dies einen Teil des Alkohols verdunsten lässt und das Aroma beeinflusst. Anhand der Farbe und des mehr oder weniger öligen Verhaltens des Whiskeys im Glas lernt man, ihn zu beurteilen.

Kenner genießen einen Single Malt bei Temperaturen, die knapp unterhalb der Zimmertemperatur liegen. Der Drink kann gegebenenfalls mit der Hand temperiert werden. Was sind eigentlich die Qualitätsmerkmale eines guten Whiskeys? Für viele Whiskey-Genießer ist es eindeutig der Geschmack. Dieser beruht aber auf erstklassigen Zutaten und sorgfältiger Überwachung aller Herstellungsschritte. Leicht feststellbare Qualitätsunterschiede schlagen sich im Aroma-Unterschied zwischen einem "Blended Whiskey" und einem Single Malt nieder. Letzterer wirkt wahrscheinlich charaktervoller. Sein Aroma ist typischer, vielseitiger und interessanter. Der "Blended Whiskey" ist dem breiten Geschmack angepasst. Schlechter muss er deswegen aber nicht sein. Trotzdem fällt die Beurteilung eines verschnittenen Whiskeys insgesamt anders aus. Seine Reifungsperiode fällt deutlich kürzer aus. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Weitere Daten zur Beurteilung eines Whiskeys ergeben sich aus der Frage, ob man aus dem Etikett auf das Alter des Whiskeys schließen kann. Kenner wissen, dass ein mehrere Jahre älterer Whiskey nicht unbedingt besser sein muss als ein junger. Letzten Endes entscheidet die Fasslagerung darüber, um ein Whiskey hervorragend ist oder nicht.

Außergewöhnliche Whiskeys erkennt man auch daran, dass sie aus einer Jahrgangs- bzw. Einzelfass-Abfüllung stammen. Kritisch zu sehen sind Zusätze im Whiskey. Bei manchen Whiskey-Marken werden Farbstoffe - beispielsweise Zuckercouleur bzw. E 150 - zugesetzt, weil sie keinen zufriedenstellenden Bernsteinton entwickelt haben. Man möchte natürlich, dass eine bekannte Whiskeymarke immer mit derselben ansprechenden Farbe auf die Flasche gezogen wird. Zuckercouleur beeinflusst das Whiskey-Aroma zwar nur minimal, stört aber die Puristen. Um Qualitätsmerkmale festzustellen, prüft und bewertet man außerdem

  • die Herkunft der verwendeten Getreidesorten
  • Ursprung und Qualität des verwendeten Quellwassers
  • ob die Getreide gemälzt wurden oder nicht
  • oder ob eine spezielle Kaltfilterung - die sogenannte "chill filtration - vorgenommen wurde

Die Kaltfilterung soll Schwebstoffe aus langkettigen Fettsäuren aus dem Destillat aussondern. Dieser Prozess ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits werden damit auch gewisse Aromastoffe ausgefiltert. Andererseits entfällt eine Trübung des Whiskeys, die bei kühleren Temperaturen eintreten kann. Eine Trübung in der Whiskey-Flasche würde man als Whiskey-Kunde als Qualitätsminderung ansehen.

Ein paar Worte über den Alkoholgehalt

Der Alkoholgehalt eines Roh-Destillats hängt entscheidend von der Herstellungsmethode ab. Er kann zwischen 60 und maximal 94,6 Volumenprozent liegen. Wenn man den Prozess der Reifelagerung im Whiskeyfass einleitet, wird dem Rohdestillat meist Wasser zugesetzt. In jedem Fall wird die Brennerei aber dem jahrelang ausgereiften Whiskey vor der Flaschenabfüllung Quellwasser zusetzen. Damit wird er auf die gewünschte Trinkstärke gebracht. Die meisten Whiskeymarken begnügen sich mit 40 bis 46 Volumenprozent. Bei einem Whiskey in "cask strength" kann der Alkoholgehalt des Whiskeys zwischen 50 und 65 Volumenprozent liegen. EU-Vorschriften besagen, dass der Mindest-Alkoholgehalt bei 40 Volumenprozent liegen sollte. Nur auf älteren Whiskey-Flaschen findet sich statt der Angabe in Volumenprozent die Angabe des Alkoholgehalts in "Proof". Dabei unterscheidet man, ob diese Angabe aus Amerika oder Großbritannien stammt. Die USA bewerten "1 Proof" als das Äquivalent zu einem 0,5-prozentigen Alkoholgehalt. In Großbritannien wird das selbe Maß als Äquivalent für 0,57 Volumenprozent angesehen. Ein Scotch Whiskey, der mit "70 Brit Proof" gekennzeichnet ist, hat 40 Volumenprozent. Der Beweis, dass ein Whiskey mit "100 Brit Proof" vorliegt, kann mit Schießpulver geführt werden. Bei diesem Alkoholgehalt verbrennt es mit einer blauen Flamme, wenn es zuvor mit Whiskey getränkt wurde. Von solchen Experimenten kann man Whiskey-Trinkern nur abraten - insbesondere nach dem Genuss einiger Whiskeys. In Deutschland ermittelte der "Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure" übrigens 2010 etwa sechs Millionen Whiskey-Konsumenten, die regelmäßige zum Glas greifen. Dabei werden nicht so sehr die gastronomischen Vertriebskanäle strapaziert, sondern vielmehr der Super- oder Getränkemarkt. Seinen Lieblings-Whiskey trinkt man vorzugsweise Zuhause. 43 Prozent aller verkauften Whiskeys dienten diesem Zweck oder wurden zu diesem Zweck verschenkt. Der Statistik nach trinken 45 Prozent der Deutschen am Liebsten Bourbon bzw. American Whiskey, gefolgt von Scotch Whiskey. Nur sechs Prozent der Deutschen genießen regelmäßig einen Malt oder Single Malt.

Empfohlener Shop für Whiskey Sorten:

http://www.spirituosenland.de/spirituosen/whisky

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